Donnerstag, 15. Dezember 2016

Bibliotheks-Schätze in Zwischenkriegszeit verkauft

In den Jahren 1925 und 1926 wurde mehr als ein Drittel des Heiligenkreuzer Inkunabelbestandes verkauft, dazu kamen viele frühneuzeitliche Drucke. In einem spannenden neuen Aufsatz von Katharina Kaska (Angaben unten) wird beschrieben, wie zu dieser Zeit Händler wie Goldmann, Rosenthal und andere aus München, London und New York geradezu über die österreichischen Stifte herfielen. In Händlerkreisen hatte sich herumgesprochen, dass man dort leicht an wertvolles Material komme. 
Die ersten Heiligenkreuzer Verkäufe liefen direkt über Mitbrüder, die zwar die Erlaubnis ihres Abtes dazu hatten, nicht aber die Genehmigung von offiziellen Stellen wie Bundesdenkmalamt oder Nationalbibliothek. Auf ernsthafte Widerstände stieß man in Heiligenkreuz erst, als Patres versuchten, Handschriften zu verkaufen. Dem Historiker und Bibliothekar Ottokar Smital (1885-1932), Leiter der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek, gebührt Anerkennung für seine Sorge um Heiligenkreuz: Er hat besonders kritische Verkäufe aus dem Wienerwaldkloster verhindert. Die Lage der Heiligenkreuzer Bibliothek (wo schließlich "nur" drei Handschriften verkauft wurden) ist im Vergleich zu anderen Stiften verhältnismäßig gut verlaufen; die Verluste anderer Klöster waren viel schmerzlicher. Heute noch muss man beobachten, wie auf den Markt geratene Klosterhandschriften (etwa Lambachs Cml XVIII) für sechstellige Eurobeträge von Christie's versteigert werden, wobei sie in den 1920ern von Stiften für einen Bruchteil dessen verkauft wurden. Das Schlimmste an der Angelegenheit ist, dass die Verkaufspreise damals so lächerlich gering waren und den Klöstern in ihrer wirtschaftlichen Not keine langfristige Hilfe darstellten. 
Siehe: Katharina Kaska, Also muss die Bibliothek dran glauben. Versuchte und gelungene Handschriften- und Inkunabelverkäufe des Stifts Heiligenkreuz in der Zwischenkriegszeit, in:
Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesarchiv / NÖLA 17 (2016) 387-417.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Barocke Festkultur: Abt von Heiligenkreuz tauft Muslime


Zur Feier seines fünfzehnten Wahltags taufte der Heiligenkreuzer Abt Gerhard Weixelberger im Jahr 1720 während eines feierlichen Pontifikalamtes in der Stiftskirche vier Muslime: Jeder bekam eine Reihe von neuen Vornamen, der erste war stets Carolus, bezogen auf den regierenden Kaiser, der sich in absentia als Taufpate zur Verfügung gestellt hatte. Die Konvertiten erhielten auch deutsche Familiennamen: Der erste hieß vor seiner Taufe Ibrahim Constantinopolitanus und danach Carolus Joseph Gerhard Weixelberger. Die anderen Familiennamen lassen sich in Bezug auf Heiligenkreuz bzw. Türkenklischees der damaligen Zeit erklären: Kreutzberger, Heylberger und Mohrenberger. Zur Gabenbereitung wurden die neuen Christen in Alben gekleidet und dienten dem Abt am Altar als Ministranten.