Dienstag, 22. November 2016

500 Mönchsgräber in Fountains gefunden - Journalisten verblüfft: Mönche glaubten offenbar an Auferstehung des Fleisches

In der berühmten, seit 1539 mehr oder weniger ruinösen nordenglischen Cistercienserabtei Fountains sind mehr als 500 Mönchsgräber gefunden worden. Besonders beachtenswert ist die Lagerung der unüberschaubaren Schar von Leichen in symmetrisch zusammengestellten, unterirdischen Steingehäusen, die bis zu vier Leichen in der Art von Lagerbetten übereinander stellten. Jüngste Technologie war bei dem Fund ausschlaggebend: Man hat mit geophysischen Messgeräten die genaue Aufstellung der Gräberreihen identifiziert. Sie erstrecken sich österlich der Abteikirche auf ein Areal von 60 m x 80 m.
Tragisch an der Berichterstattung in den englischen Medien ist der Hinweis in vielen Zeitungsberichten, dass der Fund den Auferstehungsglauben der Mönche bestätige. In einem Bericht hieß es: "Moderne christliche Theologie erwartet zwar die Auferstehung der Seele, nicht aber des Leibes. Islam und Judentum erwarten eine leibliche Auferstehung". Zur Entschuldigung der theologischen Ignoranz der britischen Journalisten sei auf die erlaubte und immer populärere Urnenbestattung hingewiesen. Welche Religion, die an die Auferstehung des Fleisches glaubt, würde  die Verbrennung von Leichen erlauben?
Fountains gehört mit seinen mehr als 300.000 jährlichen Einzelbesuchern zu den meistfrequentierten Objekten des National Trust. Was erzählt man den Touristen über den Glauben, der zur Errichtung der atemberaubend schönen Bauten geführt hat? Scheinbar wenig.

Freitag, 4. November 2016

Klösterliche Grabsteine und -kreuze

Klösterfriedhöfe sind eine Sonderkategorie, weil sie im Vergleich zu den meisten Friedhöfen länger bestehen und innerhalb einer stabilen Verwaltungsstruktur bleiben. Dazu kommt die Pietät der lebenden Mönche gegenüber ihren Vorgängern, auch wenn sie die Toten gar nicht kannten. Die Gräber werden traditionell sehr gut gepflegt und wohl etwas häufiger besucht als das der Fall ist in einem kommunalen Friedhof. Da alle Gräber in der Verantwortung des Konventes liegen, können einheitliche Entscheidungen getroffen werden, die für alle gelten. So können alle Grabsteine einheitlich und streng gestaltet werden, wie in diesem Beispiel aus dem größten Benediktinerkloster der Welt (St. John's Abbey).
Hier fehlen bewusst Familienname und Lebensdaten
Verlgleichbare Gräberfelder sind auch in strengen europäischen Klöstern bekannt. In manchen Klöstern gibt es gar keine Grabsteine, sondern nur Holzkreuze, die bald wieder verschwinden. Die österreichischen Stifte machen einen Kompromiss: Der Klosterfriedhof ist gepflegt und symmetrisch angelegt, aber die Grabkreuze sind ganz unterschiedlich. Da lohnt es sich, jedes näher zu betrachten und sich von den verschiedenen Ebenen der Schriftlichkeit erbauen zu lassen, wie in den folgenden Beispielen aus Kremsmünster.