Samstag, 21. November 2015

Die Zellentür und ihr Guckloch

Die Geschichte der Klosterzelle ist ein Thema, über das wir überraschend wenig wissen. Bekanntlich haben Cistercienser zunächst in Schlafsälen gewohnt; die Wohnbereiche waren mit dünnen Holz- und Stoffwände von einander getrennt. Im Verlauf des Spätmittelalters kam die Einzelzelle auf, diese wurde mal mehr, mal weniger gutgeheißen, weil sie als Zeichen des unerwünschten Individualismus gedeutet wurde. Andererseits entwickelt sich eine tiefe Mystik der Zelle als das Kämmerlein des Gebetes und des verinnerlichten Gespräches mit Gott.
 Die Klosterzelle ist immer im Rückbezug auf jeweilige Gesellschaften zu verstehen. Westlich geprägte Menschen des 21. Jh.s erwarten nicht nur die "eigenen vier Wände", sondern meist auch eine private Nasszelle. Das war vor wenigen Generationen undenkbar. Was ist "privat", was ist "andächtig zurückgezogen"? Große Schwankungen würden sich in einer geschichtlichen Gesamtdarstellung der Zelle zeigen.

In diesen Bildern zeigen wir Zellentüren aus dem 18. Jh., die mit einem Guckloch (nach innen!) ausgestattet sind. Die Löcher wurden von den Oberen dazu verwendet, um zu kontrollieren, ob der Mönch zur vorgeschriebenen Zeit betet – oder schläft.