Mittwoch, 28. Oktober 2015

Bibliothek der Abtei Clairvaux geht online

Die mittelalterliche Bibliothek der Abtei Clairvaux – 1.150 Handschriften und 500.000 Farbseiten – ist nun online. Anlässlich des 900. Jahrestages der Klostergründung von Clairvaux (1115) und beflügelt durch die Ernennung der Bibliothek zum Unesco Weltkulturerbe (2009) will diese Initiative der Bibliothek ein "zweites, digitales Leben" schenken. Am 13. Oktober wurde in Zusammenarbeit mit der Bibliothèque nationale de France ein gratis online Zugang lanciert. Die Onlinestellung von mittelalterlichen Texten ist zwar nicht wirklich neu, aber die technischen Mittel, die auf genannter Homepage zur Verfügung stellen, zeugen von einem riesigen technischen Qualitätssprung. Es geht hier auch um die Vermittlung von mittelalterlichen Schriften an ein allgemeines Publikum. Dazu setzt die Médiathèque du Grand Troyes Mittel ein, die den erfahrenen Forschern vielleicht wie special effects erscheinen, aber es geht eben um die Vermittlung einer als "schwierig" geltenden Materie an eine neue Generation. Ein Besuch auf der Homepage ist verpflichtend.




Donnerstag, 15. Oktober 2015

Böden und Fliesen


Wenige Böden aus dem Mittelalter sind erhalten; wo sie nicht abgenützt wurden, wurden sie überschüttet. Merkwürdigerweise ist Bodenbelag gar nicht so langfristig. Böden sind mehr ein Zierelement als man denken würde: Man richtet sie am Schluss der Bauarbeiten ein, da man keine Gerüste auf ihnen aufstellen sollte. Fenster müssen fertig sein, bevor man den Boden legt. Die ältest erhaltenen Fliesen sind auf das Ende des 12. Jh.s datiert, sind dunkelgrün, gelb, braun oder schwarz und hochpoliert. Ihre geometrischen Entwurfe sind – wie auch im Fall der Grisaillefenster – oft einfach und spielerisch zugleich, weil die kreative Muster fantasievolle Verknüpfungen ergeben. Sie haben sogar eine liturgiewissenschaftliche Dimension, weil die Fliesenlegung gewisse Zonen in der Kirche abgegrenzt haben oder als Richtlinien dienten, etwa für die Aufstellung der Schola oder eines Lektors.
Bis in das 13. Jh. gab es keine Gesetzgebung vom Generalkapitel über die Böden in Cistercienserkirchen; der erste Hinweis ist aus dem GK 1205, als der Abt von Pontigny dafür gerügt wurde, einen zu prächtigen Boden in seiner Kirche gelegt zu haben.
Im Bild: Fliesen im Kreuzgang der ehem. Abtei Loccum. Literatur: Christopher Norton, 'Early Cistercian Tile Pavements', in: Cistercian Art and Architecture, ed. Christopher Norton and David Park (Cambridge 1986) 228-255.