Dienstag, 21. Juli 2015

Andachtsbilder als Quellen

Gebetskärtchen und -zettel sagen indirekt über die Ordensgeschichte aus. Religiöse Idealhaltungen, das Selbstverständnis des Cistercienserordens zum diversen Zeiten und schließlich die Ästhetik kommen deutlich zu Vorschein. Gebetszettel sind an der Grenze zwischen offizieller Veröffentlichung (in früheren Zeiten war man vom Sortiment eines Verlags abhängig) und dem assoziativ-freieren Bereich der persönlichen Frömmigkeit. Die Kärtchen sind wenig beachtete Bestände von Klosterarchiven; sie werden oft unterschätzt. Es liegt ein Vorteil in dieser Lage: auf sommerlichen Flohmärkten kann man oft sehr wertvolle Exemplare finden. Unten einige Beispiele:

Das Bild links stellt den hl. Bernhard bei der Überreichung seines Briefes "De Consideratione" an den Cistercienserpapst Eugen III. dar. Freilich ist Bernhards Bart ganz fehl am Platz, auch die Schilderung des Briefes, als wäre es ein Codex und nicht ein verhältnismäßig kurzer Text. Interessant ist das schwarze Skapulier, das unter Eugens Papstgewandung sichtbar wird. Ist der päpstliche Schuhspitz rot? Das Bild war Primizbild eines Zwettler Primizianten um 1900.
Das Bild rechts ist das Primizbild des späteren Prioren von Heiligenkreuz, Aelred Pexa (1904-1974), der später zum Abt von Rein postuliert wurde. Pexa hatte als junger Mönch die Herz-Jesu Spiritualität von Helfta entdeckt und vor seiner Weihe bereits einige ordensgeschichtliche Beiträge veröffentlicht. Er interessierte sich für Liturgie und Observanzgeschichte. Das Kärtchen ist besonders interessant, weil die Seligen Maria vom hl. Heinrich und Maria vom Allerheiligsten Sakrament heute so gut wie unbekannt sind.
Dieses Bild (links) soll daran erinnern, dass Bildkärtchen nicht erst ein Produkt des Massendruckes im 19. Jh sind, sondern im 18. Jh. und sogar davor bestens bekannt waren. Wer eine solche Karte auf einem Flohmarkt gefunden hat, kann sich wahrlich glücklich preisen, denn es geht dabei um Sammlerobjekte der höheren Kategorie. Links wird die sel. Humbeline dargestellt. Auch wenn Cistercienserinnen kaum mehr mit Klosternamen so heißen, ist sie heute immer noch bestens bekannt, weil sie eine Schwester des hl. Bernhard war und erst nach ihrer Eheschließung in ein Frauenkloster eintrat. Ihr Bruder hatte sie von Clairvaux weggeschickt, als sie – noch vom Glanz eines oberflächlichen, konsumorientierten Lebens geblendet – in peinlicher Montur bei ihm anklopfte. Auf dem Bild sieht man sie in einem späteren Lebensabschnitt, als Büßerin.