Dienstag, 30. Juni 2015

Neues Einführungswerk: Cisterciensische Schriftkultur im Mittelalter

Jeder Orden produziert Schriften, möchte man denken. Aber die Schriftlichkeit der Cistercienser ist deswegen eigens zu behandeln, weil sie an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert ein neues Niveau an Organisation und Verwaltungspraxis in das monastische
Leben des Abendlandes brachte. Wie ein Werbetext für Christian Malzers neues Buch, Mittelalterliche Schriftkultur. Schriftkultur und Buchproduktion in den Oberpfälzer Zisterzienserklöstern bis zu ihrer Aufhebung im 16. Jh., sagt: Für die grauen Mönche
war das Medium der Schrift ein wesentlichesBindeglied für die rapide über ganz Europa verstreute Verbreitung des Ordens. Jedes neue Kloster musste dabei mit bestimmten liturgischen Texten und Büchern ausgestattet werden. Alles hatte einheitlichen Regeln zu folgen, was gut organisierte Werkstätten und rational anmutende Arbeitsprozesse voraussetzte.

Das Buch ist einerseits aus einer Lehrveranstaltung und andererseits aus einer Ausstellung der Provinzialbibliohtek Amberg hervorgegangen. Kernaufgabe des Buches ist es, Schriftzeugnisse aus den vier Cistercen der heutigen Oberpfalz (Waldsassen, Walderbach, Pielenhofen und Seligenporten) darzustellen. Dabei liefert Malzer viel mehr: Die 170 Seiten des Buches sind in knapp 10 Seiten lange Abschnitte aufgeteilt, die jeweils einen einleitenden Blick in die Welt der mittelalterlichen Skriptorien bieten. Es geht um konkrete Fragen wie Farbrezepte und die Arbeitsschritte bei der Schrifproduktion, aber auch um die klösterliche Kanzlei und cisterciensische Beteiligung an der Universitätskultur.

Wir verwenden Begriffe wie Skriptorium, Kanzlei und Bibliothek, oft ohne genau zu wissen, was im mittelalterlichen Kloster damit gemeint war. Dieses reich bebilderte und mit Elan geschriebene Büchlein liefert nützliche Einführungen, die in der Fachliteratur gar nicht so einfach zu finden sind.

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Freitag, 26. Juni 2015

Professurkunden, Urbestand klösterlicher Archive

Die Benediktsregel schreibt im 58. Kapitel vor, dass der Mönch bei seiner auf Lebenszeit verbindlichen Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft eine Urkunde (er nennt sie petitio) auf den Altar legt und sie vor Gott und all seinen Heiligen unterschreiben soll. Danach bewahrt sie der Abt mit besonderer Sorgfalt und darf sie, auch im tragischen Fall einer gescheiterten Berufung, nie weggegeben. Der Regelvater drückt damit eine unerschütterliche Treue aus, nämlich Gottes Treue: Er, der uns berufen hat, bricht seinen Bund mit uns nie. Daher bildet in vielen Klöstern der Bestand an Professurkunden (auch Professzettel genannt), eine stolze Säule des Archivbestands. Professurkunden werden für die Ewigkeit verfasst und sollen bis zum Ende einen übernatürlichen Rechtsnachweis sichern. Manche sind würdig geschmückt, andere ganz schlicht. Im Bild: Der  besonders feierliche Professzettel (1673) von einem jungen Heiligenkreuzer Mönch, der später Abt wurde: Frater Marian Schirmer.

Freitag, 12. Juni 2015

Jüngstes Buch über Lilienfeld setzt neuen Standard

Die jüngste Publikation über das Stift Lilienfeld, Campililiensia, setzt einen neuen Standard und übertrifft alle bisherigen, an ein breites Publikum gerichteten Publikationen über das berühmte Babenbergerkloster am Alpenrand Niederösterreichs. Die wissenschaftlichen Beiträge umfassen viele Bereiche, die im Zusammenhang mit dem Stift Lilienfeld und der ganzen Region stehen: Inkunabelsammlung, Stiftsbibliothek, barocke Tischlerarbeiten, historische Ansichten, Wallfahrten und Via Sacra, Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld, das Stift als Arbeitgeber und vieles mehr. Der Sammelband präsentiert neue Forschungsergebnisse über Lilienfeld und noch nie veröffentlichtes Bildmaterial. Das Buch enthält viele Farbabbildungen, von ihnen ist das Ausfaltblatt (188-189), auf dem eine geniale Panoramaaufnahme der Stiftsbibliothek zu sehen ist, besonders prächtig. Ebenso erfreulich ist der Preis: Nur € 30!!

Campililiensia. Geschichte, Kunst und Kultur des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Herausgegeben von Pius Maurer, Irene Rabl und Harald Schmid
Lilienfeld 2015
Bestellinfos hier.

Inhalt
Pius Maurer
■ Die Geschichte des Stiftes Lilienfeld
■ Die Baugeschichte des Stiftes im 13. Jahrhundert
■ Bildungsinstitutionen
■ Die Mönche von Lilienfeld und die Alpen
■ Mathias Zdarsky und das Stift Lilienfeld
Harald Schmid
■ Historische Ansichten von Stift Lilienfeld
■ Der Weg ins Stift und die Altäre der Stiftsbasilika
■ Die Kreuzreliquie
Michael Bohr
■ Tischlerarbeiten in der Stiftskirche und der Bibliothek zu Lilienfeld
Bernhard Hanak
■ Orgeln und Glocken im Stift Lilienfeld
Rainer Straub
■ Über die Symbolik des Kreuzganges
Elisabeth Oberhaidacher-Herzig
■ Mittelalterliche Glasgemälde in Lilienfeld
Herwig Scheiblecker
■ Die Personen im Freskenprogramm der Stiftsbibliothek
Werner Telesko
■ Maria im »campus liliorum« Zur Barockbibliothek des Zisterzienserstiftes Lilienfeld
Irene Rabl
■ Die Lilienfelder Stiftsbibliothek: Geschichte, Buchbestand und Kataloge
■ Wallfahrten auf der Via Sacra und die Lilienfelder Erzbruderschaft des Hl. Joseph
Carmen Rob-Santer – Michaela Schuller-Juckes
■ Die Inkunabelsammlung des Stiftes Lilienfeld
Martin Roland
■ Die Concordantiae caritatis des Ulrich von Lilienfeld
Christian Rabl
■ Das Stift Lilienfeld als Arbeitgeber
 Der Krankenunterstützungsverein der stiftlichen Holzarbeiter im 19. Jahrhundert