Samstag, 22. November 2014

Generalabt Maurus Esteva Alsina (†), Dokumentation

Die traurige und überraschende Nachricht vom Scheiden unseres emeritierten Generalabtes Maurus Esteva Alsina ist ein Anlass, auf die 2012 erschienene Sammlung seiner Interventionen (= Ansprachen und Wortmeldungen bei Generalkapiteln bzw. Synoden) hinzuweisen. Das beachtliche Werk ist zugleich eine Art Zusammenschau der monastischen Theologie von 1960 bis 2010. 
Die folgende Rezension erschien in den Analecta Cisterciensia 63 (2013) auf den Seiten 581-582.

Alkuin Volker Schachenmayr
Eugenia Pablo Esteban (Hg.), Intervenciones del Abad Maur Esteva en los Capitulos Generales y Sínodos de la Orden Cisterciense (1974-2010). Contribución a la Evolución del Fondo Documental Cisterciense en la Época actual (Scriptorium Populeti 20, Abadia de Poblet 2012). 663 paginas € 25 ISBN 978-84-937776-0-9.
Dom Maurus Esteva Alsina O.Cist. wurde 1970 zum Abt von Poblet gewählt, 1995 erfolgte die Wahl zum Generalabt des Cistercienserordens. Die fünfjährige Amtszeit des Generalabtes wurde 2000 und 2005 durch Abstimmung des Generalkapitels verlängert. 2010 wurde er emeritiert. Die Edition aller Reden, Referate, Berichte und Predigten, die Esteva im Laufe seiner langen Tätigkeit als Verantwortungsträger im Cistercienserorden geschrieben hat, dient als wertvollste Präsentation der aktuellen Fragen im Laufe dieser 36 Jahre. Einerseits reflektiert die Sammlung jene Themen, die die oberste Leitungsebene des Ordens beschäftigt haben, andererseits entsteht eine Art theologisch-monastische Biographie des Abtes. Mit dem zweitgenannten Zugang identifiziert sich der emeritierte Generalabt in seiner „Nota Previa“ (1-3) und im Epilog (617-621). Das dichte, auf Lateinisch, Spanisch und Italienisch verfasste Werk ist zunächst ein Kompendium der monastischen Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils und führt den Leser in eine weitere, mit Problemen und Erfolgen gekennzeichneten Ära der Ordensgeschichte.
In ihrer Einleitung (5-22) hebt Herausgeberin Eugenia Pablo vier Themenblöcke von Esteva Alsinas Wirken hervor. Zuerst kommt – als etwas seltsam wirkende Voranstellung – die Wiederherstellung der Rechte der Kongregation der Aragonischen Krone und der Kastiliensischen Kongregation. Die Kongregation von Kastilien wurde ursprünglich 1425 die erste Kongregation des Ordens. Als nächster Themenblock gilt das Engagement des Generalabtes für die Formation und monastisch-theologische Ausbildung der Ordensjugend. Hier steht die 2001 erfolgte Errichtung des Kurses für Monastische Formation (CFM) im Vordergrund. Drittens kommt die Bemühung des Generalabtes um die 2000 erfolgte Zulassung von Äbtissinnen zum Generalkapitel samt Stimmrecht. Als letzter Themenblock nennt sie seine Tätigkeit als Vorsteher der Curia Generalis, worunter Wirtschaft, Personal und Archiv der Ordenskurie zu berücksichtigen sind.
Nach dem Vorwort erfolgte eine Klassifikation der Dokumente und eine Aufstellung der Editionsregeln (23-28) sowie ein Porträt des Generalabtes (29). Die edierten Dokumente werden in zwei Teilen präsentiert. Zuerst kommen Estevas Eingaben vom Generalkapitel (31-332), dann von den Synoden (333-615). Darauf folgen äußerst hilfreiche Personen- (623-626), Themen- (627-635) und Klosterregister (637-649).
Die einzelnen Textstücke, in der römischen Tradition Allegata genannt, werden in editionsgerechter Weise präsentiert, zuerst mit Titel, dann Archivhinweis (meist sind die Texte aus dem Archiv der Kurie des Ordens) und schlussendlich mit einem Kopfregest. Die Texte spannen einen weiten Bogen vom spirituellen Erbe des Ordens bis hin zu den Berichten des Generalabtes über einzelne Kongregationen und Klöster. Für Klöster, die ansonsten nur schwach dokumentiert sind oder in einem schwer zugänglichen Sprachraum liegen, ist somit eine Grunddokumentation gewährleistet, die sonst nie zustande gekommen wäre.
Diese Edition ist eine ungemein wertvolle Dokumentation der jüngsten Ordensgeschichte. Derartig dichte und editionstechnisch substantielle Werke sind in der Historiographie des Ordens seit der Französischen Revolution selten, wenn nicht gar unbekannt. Weitere Arbeit von dieser Qualität wäre aus der Sicht der Ordensgeschichte dringend notwendig.