Sonntag, 28. September 2014

Cistercienser, Protestanten und Petrusamt

Tod von Papst Eugen III.,
dem ersten Cistercienserpapst 
Eine unerwartete aber erfreuliche Entwicklung im Leben des Ordens ist die ökumenische Arbeit der letzten Jahrzehnte. Evangelische Christen haben Cistercienserliteratur und -architektur entdeckt und konnten sogar feststellen, dass bereits die berühmte Persönlichkeit Martin Luther die Schriften des Bernhard von Clairvaux schätzte. Der cisterciensische Beitrag zur Heilung der Risse in der Christenheit ist eine gute Nachricht. Das ökumenische Gespräch bleibt freilich nach wie vor mühsam, denn alle Begeisterung für Bernhards flammende Rhetorik und beeindruckende Askese kann über eines nicht hinwegtäuschen: Er war überzeugter Verteider des Petrusprimates. Er hätte sich martern lassen, um den petrinischen Vorrang zu verteidigen. In dieser Hinsicht wirkt manches an "evangelischem Cisterciensererbe" fragwürdig. Die soeben veröffentlichte Festschrift anlässlich des 80. Geburtstages von P. Stephan Otto Horn SDS ist dem Petrusamt gewidmet. Die Auswahl ist solide und auch erfrischend unkonventionell. Dabei kommen ökumenisch-theologische, systematische, historische, liturgiewissenschaftliche, kirchenrechtliche und spirituelle Annäherungen ebenso in den Blick wie noch unentdeckte Bezüge zum petrinischen Amt über die Sprache der Musik (ganz cisterciensisch!).

Montag, 22. September 2014

Erbauliche Graffiti in Klosterräumen und -gängen

Kirchenfassade als
Projektionsfläche
Als die Klöster im Verlauf des 20. Jh.s renoviert wurden, übermalte man die Bibelzitate, die an vielen Wandflächen angebracht waren. Die religiöse Einsetzung von Graffiti (auffälligen Schriftzügen oder Zeichen in öffentlichen oder quasi-öffentlichen Räumen) ist in beinahe allen Epochen seit der Romanik bekannt. Die Texte waren oft in der Landessprache und verwiesen auf die gelebte oder mindestens normativ empfohlene Frömmigkeit in den Klöstern. Bis in die 1950er Jahre wurden fromme Texte “an die Wand gemalt”, doch sind viele inzwischen verschwunden. Die Innenausstattung von klösterlichen Räumen ist derzeit arm an Graffiti, wenn auch diese Form des pädagogischen-meditativen Wandschmuckes niemals gänzlich verschwinden wird. Derzeit sind Glasinschriften beliebt; die (säkulare) amerikanische Künstlerin Jenny Holzer (Bild oben) arbeitet beinahe nur mit Text.

Aus einem englischen Spital
Eine Archivalie der böhmischen Frauencisterce Porta coeli verzeichnet mit seltener Liebe zum Detail die Inschriften in den Regularräumen und Gängen der Abtei, mit Stand Februar 1925. Wir geben die Stellen hier wieder, auch wenn der Text alleine nicht alles ist: Visuelle Elemente wie Schriftzüge und Einrahmung sind auch sehr wichtig.

Über der 1. Türe zum Chore hin: „Costodite ordinem ut ordo vos custodiat“ (S. Bernardus); über der 2. Chortür: „Qui spernit modica, paulatim decidet“ (Eccl. 10,1); über der 3. Türe: „Sursum corda!“; neben der Chortüre: „Nihil Operi Dei praeponatur“ (RB); auf dem oberen Kirchgang: „Tantum proficies, quantum tibi ipsi vim intuleris“ (Nachfolge Christi); über der Türe zur Bibliothek: „Eruditio absque dilectione inflat, dilectio absque eruditione errat“ (S. Bernardus); auf dem Gang, wo Sr. Fine u. Sr. Roberta wohnten: „Ama nesciri“ (Nachfolge Christi); auf dem unterem Gange, wo ich wohne: „Fili, conserva tempus!“ (Eccl. 4,23); auf dem Platz bei der großen Kirche beim Weihwasserkessel: „Ich sage euch aber, dass die Menschen über ein jedes unnütze Wort, das sie reden, am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben müssen“ (Mt 12,36); über der Uhr auf dem Noviziatsgang: „Transeunt et imputantur“; außen beim Refektorium: „Domum tuam decet sanctitudo Domine“ (Ps 92); im Refektorium: „Möget ihr essen oder trinken oder etwas anderes tun, so tut alles zur Ehre Gottes“ (1 Cor 10); unter dem Kreuze im Refektorium: "Sitio!"; im Kreuzgang auf der Kapitelseite: „Profectus gregis merces est pastorum“ (Beatus Alcuinus); im Kreuzgang an unserer Kirchseite: „Religionis Status non solum perfectionem charitatis, sed etiam perfectionem poenitentiae continet" (S. Gregor); bevor die Leidensstationen beginnen: „Niemand empfindet das Leiden Christi so tief, als derjenige, der schon Ähnliches zu leiden hatte“ (Nachfolge Christi II,12); über dem großen Kreuz im Kreuzgang: „Opus sine exemplo, gratia sine merito, charitas sine modo!“ (S. Bernardus);

Privat
auf der großen Widmungstafel im Kreuzgang unten: „Existimabam ut cognoscerem hoc: labor est ante me, donec intrem in sanctuarium Dei“ (Ps 72); auf der Marmorplatte im Kreuzgang: „Vetat concordia lapsum“; in der Küche: „Oportet semper orare, et non deficere“ (Lk 18); über der Türe in die Schule: „Delectio Dei honorabilis sapientia“ (Eccli. 1[...]); in der Arbeitsstube: „Ora et labora“; über der Türe der Chortüre gegenüber: „In hoc cognoscent omnes, quia discipuli mei estis, si dilectionem habueritis ad invicem“ (Joh 13); in der Bibliothek über dem Kreuz: „Deus meus et omnia!“ (S. Franciscus); über dem Ölbergbild in der Bibliothek: „Pater si vis, transfer calicem istum a me, verumtamen non mea voluntas, sed tua fiat“ (Lk 22); auf dem Gang zur Abtei: „Non habemus hic manentem civitatem, sed futuram inquirimus“ (Heb 13); im Raum, wo die Kirchensachen aufbewahrt werden: „Domine, dilexi decorem domus tuae“ (Ps 25).

Montag, 8. September 2014

Paraliturgischer Brauchtum in Frauenklöstern - selten erforscht

Kürzlich gesichtete Photoalben von einem Frauenkloster um 1930 zeigen die Einkleidung im Kontext der Brautmystik. In obiger Abbildung wird mittels einer "vor- und nachher" Präsentation sehr deutlich, dass man die Einkleidung als Vermählung verstand und vermitteln wollte. Die jungen Frauen trugen weiße (Hochzeits)Kleider und eine Blumekrone. Die Krone ging (wenn auch reduziert) von der einen Gewandung auf die andere über. Später wurde diese Art Symbolik bei der Einkleidung unterlassen, weil die Feierliche Profess – nicht die Einkleidung – der eigentliche Moment der Vermählung ist. Über diese und ähnliche Fragen gibt es vereinzelte Studien, aber nicht viele. Im rechten Bild (hintere Reihe) sind die abgerundeten Skapuliere auch bemerkenswert.

Mittwoch, 3. September 2014

New Lexicon of Spanish Cistercian Authors

The periodical Cistercium, Revista de Historia, Arte y Espiritualidad published a valuable bio-bibliographical resource in their recent issue 262 (2014), pp. 75-387.

Damian Neira, Alejandro Masoliver, Augustin Romero and Francisco R. de Pascual have published a new lexicon of Spanish-language Cistercian authors. They include four groups of Cistercian observances: the Castilian Congregation, the Congregation of Aragon, the Stricter Observance and the Cistercian Order. The work includes only authors who wrote in Spanish, a somewhat peculiar way of selecting a category since most Cistercian authors before 1900 wrote mostly in Latin, regardless of where they lived. And many who were born in Spain didn't work there as scholars, such as the most famous man listed in the current publication: Chrysostomus Henriquez. The first installment of the Diccionario is devoted to surnames beginning with A to F; 108 names are included. A second installment with the names G-M is planned, a final third volume will include O-Z.

Occasional illustrations enrich the register. These are especially useful when they include pictures of the authors or the monastic setting in which they worked, as is the case for Rafael Baron and Candido Albalat y Puigcerver (whose year of death is erroneously printed as 1917 instead of 1915 [p. 110]).

This sort of lexical directory is rare today on paper, since more and more of this information is being provided online every day. The last significant effort in offering comprehensive biographies of Cistercian authors dates back to the 1970s: The Dictionnaire des auteurs cisterciens, edited by Emile Brouette, Anselme Dimier and Eugène Manning (La Documentation Cistercienne 16, Rochefort 1975-1979), is still a valuable resource.

More information on the new (Spanish-only) publication here. In the picture: The refectory in Huerta Abbey, where Henriquez was a novice.