Donnerstag, 19. Juli 2012

Wichtige Neuerscheinung zur Abtei Reinfeld

Das Cistercienserkloster Reinfeld (1186/90–1582) besaß im Mittelalter die größte Grundherrschaft in Holstein zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck. Als transterritoriale Institution reichten seine Besitzungen weit über die territorialen Grenzen in die benachbarten Herrschaftsgebiete Lauenburgs, Mecklenburgs und sogar Niedersachsens und Pommerns hinein.

Martin Schröter, Das Kloster Reinfeld (Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, Bände 117-118) nimmt eine Universalgeschichte des Klosters vor. Im ersten Band werden in acht Kapiteln Facetten seiner Geschichte in ihrem jeweiligen historischen Kontext dargestellt. Die Zeit der Kreuzzüge und der Stadtwerdung Lübecks bilden den Hintergrund für die Gründung des Klosters. Ein weiteres Kapitel gilt dem weitgespannten Beziehungsnetz, das von der Einbindung des Klosters in den Cisterzienserorden - Reinfeld war ein Tochterkloster Loccums - und den Kontakten unterschiedlicher Intensität zu Fürsten, Adeligen und Bürgern lebte. Dies verlangte den Mönchen angesichts fehlender staatlicher Institutionen zur Friedewahrung und robuster Formen politischer Gewalt ein ausgedehntes Konfliktmanagement ab. Den Reformimpuls des 15. Jahrhunderts nahmen Abt und Konvent auf. Man schickte geeignete Mönche in verschiedene Universitätsstädte zum Studium und erneuerte das Kloster wiederholt baulich. Abt Friedrich verfasste in dieser Zeit eigens den Abtsspiegel, eine Schrift, welche die klösterlichen Gewohnheiten Reinfelds angesichts wirtschaftlicher Innovationen zum Besten des Klosters sichern wollte. Wie das Kloster 1582 trotz des entschiedenen Widerstands der Äbte und des Konvents und der widerstreitenden Interessen einflussreicher Personen in dieser Frage doch aufgehoben wurde, zeigt ein weiteres Kapitel.

Im zweiten Band wird die Geschichte des landwirtschaftlichen Besitzes des Klosters in den verschiedenen Herrschaftsgebieten jeweils genetisch dargestellt. Dabei werden auch soziale und wirtschaftliche Kontakte der Mönche skizziert und die politischen Aufgaben und Pläne der Klosteroberen aufgedeckt. Zwei Kapitel widmen sich dabei der jeweils besonderen Geschichte der Säkularisierungen im Amt Oldenburg im ostholsteinischen Wagrien und in den Ämtern Grevesmühlen und Schwerin in Mecklenburg.