Samstag, 23. Juni 2012

1848 – Studentendemos vor den Klöstern

Thomas Stockingers neues Buch, "Dörfer und Deputierte: Die Wahlen zu den konstituierenden Parlamenten von 1848 in Niederösterreich und im Pariser Umland" (Wien–München 2012) geht u.a. auf die niederösterreichischen Stifte als Grund- und Zehentherren ein. Somit standen die Geistlichen an einer sensiblen Schwelle zwischen persönlicher Anspruchslosigkeit, Seelsorge und ausgedehnter Grundherrschaft. Vor allem die Wiener Studentenschaft pflegte eine antiklerikale Haltung gegenüber den Stiften. Im Jahr 1848 kam es zu aufsehenerregenden Übergriffen auf kirchliche Institutionen. Melk, Göttweig, Klosterneuburg und Heiligenkreuz wurden von studentischen Scharen aufgesucht (Stockinger, S. 327). In Heiligenkreuz konnte, so berichtet Stockinger, eine Studentengruppe am 8. Mai 1848 trotz anfänglicher Spannung doch als "Gäste" empfangen werden; somit gelang es der Stiftsvorstehung, Gewalt und Streit zu vermeiden. In den Flugschriften der Zeit ist dieser Konflikt polemisch dokumentiert.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Bernhardskasel

In der Ausstellung über Byzanz, die diesen Sommer in der Schallaburg (Niederösterreich) zu sehen ist, befindet sich ein Stück byzantinischer Seide aus dem 11. Jh. Es handelt sich um den Saumbesatz einer seidenen Kasel aus dem Kloster Brauweiler, die Bernhard von Clairvaux getragen haben soll, als er in Brauweiler 1147 zum Zweiten Kreuzzug aufrief. In der Geschichte der Bernhardsverehrung treten "Bernhardskaseln" öfters auf. Im 17. und 18. Jh. war es üblich für die Teilnehmer am Generalkapitel, einen Abstecher von Cîteaux nach Clairvaux zu machen, um dort am Grab des heiligen Bernhard die Messe zu feiern und dabei "seine" Kasel zu tragen.