Montag, 19. September 2011

Die Reichsabtei Salem im Mittelalter

Unter Abt Ulrich II. von Seelfingen (1282–1311) erreichte das Cistercienserkloster Salem einen Höhepunkt seiner politischen, wirtschaftlichen, spirituellen und kulturellen Bedeutung. Nach bescheidenen Anfängen hat sich Salem zu einer mächtigen Institution entwickelt, die große Ausstrahlung auf den Bodenseeraum und die weitere Umgebung ausübte. Durch den Schutz der Stauferkönige und ihrer Nachfolger im Reich, wegen seiner effizienten Wirtschaftsführung und innerklösterlichen Disziplin stieg Salem zu einer der reichsten und angesehensten Reichsabteien in Südwestdeutschland empor (Bild: das barocke Sommerrefektorium). Unter dem Schutz des Reiches gelangte Salem besonders in der Zeit um 1300 unter Abt Ulrich II. von Seelfingen zu einer erstaunlichen wirtschaftlichen und spirituellen Blüteperiode, in der auch die architektonische Basis der Abteikirche gelegt wurde. Das wissenschaftliche Kolloquium will diese große Abtei in einer großen Epoche geschichtlich, kunstgeschichtlich und ordengeschichtlich im Kontext der neueren Cistercienserforschung beleuchten. Mehr Information unter: tourist-info@bodensee-linzgau.de

Dienstag, 13. September 2011

Ist die 'Marienklage' typisch cisterciensisch?

Die Marienklage (Planctus Mariae) war eine Dichtung des hl. Bernhard von Clairvaux, so dachte man über Jahrhunderte hinweg. Inzwischen datiert man den Ursprung des Textes auf das frühe 13. Jh., also reichlich nach Bernhards Tod. Warum hielt man die Dichtung für Bernhards Werk? Die Marienklage ist eine Versetzung des Lesers oder Zuschauers in die Perspektive Mariens, die vor dem Anblick ihres gekreuzigten Sohnes ihr Leid klagt. Diese Szene war ein häufiger Bestandteil von Mysterienspielen, das sind religiöse Inszenierungen außerhalb der Hl. Messe. Diese Theatertradition "erstarrte" dann in im bildnerischen Motiv der Pietà. Was heute eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt ist, Michelangelos Pietá, ist zwar nicht auf Bernhard zurückzuführen, aber doch auf etwas typisch Bernhardinisch-Cistercienserisches: Die sinnliche Versetzung in die Gegenwart des Heilsgeschehens durch das liturgische Gebet. Dieser Aspekt der monastischen Theologie wird auch compassio genannt.