Sonntag, 29. Mai 2011

Photojournalistische Reportagen nach 1945

Das Auftauchen einer ORF-Reportage über das Stift Heiligenkreuz (Bild unten links) ruft ähnliche Photoberichte aus den Printmedien ins Gedächtnis (Bilder rechts sind aus einer amerikanischen Reportage, 1949). In den Nachkriegsjahren übte das klösterliche Leben eine Faszination aus, weil es gegenüber dem Wirtschaftswunder als dezidiertes Kontrastprogramm galt. Wie viel hat sich aber in den meisten Klöstern verändert, seit dem
diese Photos aufgenommen wurden!! Oder ist doch das Wesentliche gleich geblieben? Man möchte hoffen, dass das Kernpogramm (Beten, Arbeiten, Lesen) fortbesteht. Heute, nachdem viele "Modernisierungskampagnen" gescheitert sind, wird das klassisch-traditionelle Bild des klösterichen Lebens wieder attraktiv. Die Faszination kommt wieder vom Kontrast zur gegenwärtigen Popkultur.

Aber bei aller Attraktivität der s/w Ära -- wo ist in den romantisierenden Berichten die Grenze zwischen Realität und Inszenierung? Die Photoreportagen über das klösterliche Leben, auch die hier abgebildeten, sind immer mehr oder weniger gestellt. Für die Geschichtsforschung über Klöster im Zeitalter der Photographie stellt sich eine wesentliche Frage: welche Photos kann man auswerten, und wie? Von der hier präsentierten Auswahl ist das Photo vom Dormitorium (oben rechts) die zuverlässigste Quelle. Die anderen zwei weichen von der Realität ab: Die Mönche im Chorgestühl stehen an Stellen, die für die Kameras praktikabel sind, nicht wo sie normalerweise stehen würden, und die Mönche im Lesesaal sind während ihrer gemeinsamen Lectio Divina sicher nicht so gesessen. Vorsicht ist jedenfalls geboten, aber vernachlässigen sollte man diese Quellen auch nicht.

In den letzten Jahren sind zwei romantisierende Publikationen erschienen, die nach näherer Untersuchung rufen: Dianne Aprile, Abbey of Gethsemani, Place of Peace and Paradox. 150 Years in the life of America's Oldest Trappist Monastery (Louisville 1998) und Bernardin Schellenberger, Die Stille atmen. Mein Leben als Zisterzienser (Stuttgart 2005).

Sonntag, 15. Mai 2011

Edition der Concordantiae caritatis erschienen

Die prachtvoll ausgestattete Pergamenthandschrift, um 1355 im Cistercienserkloster Lilienfeld entstanden, gilt als krönender Abschluss der großen typologischen Text-Bild-Zyklen des Spätmittelalters. Dieses Zeugnis der Kultur und Frömmigkeit in seiner Gesamtheit zu verstehen, verlangt nach einer theologischen, literarischen, philologischen, künstlerischen und kulturhistorischen Analyse. Nun ist die CC in seiner Gesamtheit – mit seinen 1.188 Bildszenen! – als Edition im Buchhandel erschienen. Es gibt auch hier eine sehr gute Einführung in das Werk.