Dienstag, 25. Januar 2011

Ein roter Prälat?

Abt Alois Wiesinger, Reformabt und Erneuerer des Stiftes Schlierbach im 20. Jh., kann man nicht in oberflächliche Kategorien einordnen. Für manche war er papsttreuer Mönch, anderen galt er als "rot". EUCist News hat eine Seltenheit entdeckt, ein Pamphlet des Abtes an die Arbeiter, geschrieben im Jahr 1948. Wiesinger beklagt darin die Missverständnisse zwischen Arbeiterschaft und Kirche und stellt fest, dass "Kirche und Arbeiter einander bedürfen, für einander geschaffen sind und vereint so unendlich viel Gutes vollführen könnten. Es ist Aufgabe der Kirche, allen die Frohbotschaft des Heils zu verkünden." Gerade in der Kirche, so der Schlierbacher Abt, würden die Arbeiter "den mächtigen geistig-sittlichen Anwalt für ihre Rechte erlangen, dessen Kraft in tausendjähriger Fehde erprobt ist und die zwar nicht die Machtmittel der Welt zur Verfügung hat, aber um so mehr die Geltung in der Übernatur, die in andere Welten hineinreicht."

Freitag, 14. Januar 2011

Abtwahl im modernen Aktenzeitalter

In den 1950er Jahren gab es einen Aufbruch der Klöster. Die Konvente wuchsen und machten viele Neugründungen. Das führte zu verhältnismäßig vielen Abtwahlen (denn auch die Lebenserwartung war schon ein paar Jährchen kürzer!). Die Amerikanisch-Cassinensische Benediktinerkongregation hat sogar ein vorgedrucktes Formular zur Dokumentation der rechtmäßigen Abtwahl erstellt. Dieses Dokument (Bild rechts, hier vollständig) ist eine heute seltsam anmutende Annäherung an den Massenakt des 20. Jahrhunderts. Ein derartiges Vorgehen kann man sich heute bei der schwindenden Zahl der Klöster kaum mehr vorstellen. Aber jeder Kapitelsekretär würde sich freuen, wenn das Wahlprotokoll heute so schnell erledigt wäre!