Sonntag, 14. Februar 2010

Laienbrüder als Bullatoren

Die Laienbrüder (oder "Konversen") haben eine große Tradition bei den Cisterciensern. Sie waren in technischen Fragen oft versiert, in die Verwaltung und Führung eines Klosters stark eingebunden, dennoch waren sie nicht Priester. Die meisten waren ja Analphabeten, was die große Zahl der Menschheit bis ins 19. Jh. war. Interessantes Faktum aus der Geschichte der Päpstlichen Kanzlei: zwei Konversen aus Fossanova waren über Jahrhunderte als Bullatoren in der Kanzlei engagiert, um die Bleisiegel zu fertigen. Weil die Brüder nicht lesen konnten und wenig sprechen sollten, waren sie für diese Art Arbeit besonders qualifiziert. Siehe: Florian Watzl, Die päpstlichen Bullatoren und ihr Amt, in: Cistercienser-Chronik 20 (1908) 193-199.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Tonsur, Habit, Klausur, Paradies

Jörg Sonntags neues Buch, Klosterleben im Spiegel des Zeichenhaften. Symbolisches Denken und Handeln hochmittelalterlicher Mönche widmet sich einem Themenkreis, der immer aktueller wird: Symbolanalyse und Auslegung der cisterciensischen Observanzgeschichte nach theologischen Grundsätzen. Der Verfasser will erklären, das klösterliche Bräuche fast immer einen übernatürlichen Wert haben, der einer theologisch-philosophischen Auselegung bedarf. Das haben positivistische Forscher der Vergangenheit nicht immer verstanden. So gibt es in diesem Buch z.B. Kapitelüberschriften wie 'Esel, Prostrationen, Tränen, Küsse und Geschenke — Fallbeispiele symbolischer Versöhnungswege' (378-385), ein Kapitel über die Tonsur (135-145) und natürlich auch über den Habit (94-119)! Buchbestellung hier, Rezension hier.