Montag, 23. November 2009

Neue Edition des Dialogus Miraculorum

Der Herausgeber Dr. Horst Schneider hat eine Mammutaufgabe gewagt: eine vollständige, wissenschaftlich kommentierte Ausgabe vom berühmten Dialogus miraculorum des Caesarius von Heisterbach (circa 1180- circa 1240). Die Fontes Christiani haben das fünf-bändige Werk in ihr Herbstprogramm aufgenommen. 150 Jahre hat sich niemand ernsthaft an den Caesarius herangewagt, denn die Edition könnte nie von einem einzigen Wissenschaftler bewältigt werden. Man muss sich mit einer Vielzahl von philologischen, monastischen, historischen, theologischen und liturgischen Fragen auseinandersetzen. Schneider hat diesen Fundus an Erzählungen eines liebenswürdigen Novizenmeisters und Priors neu erschlossen. Die Alltagsgeschichte eines mittelalterlichen Cistercienserklosters entfaltet sich somit in ihrer ganzen Fülle. Für Generationen von Mönchen und Nonnen waren diese Anekdoten eine tägliche Standardlektüre, die während der Mahlzeiten vorgelesen wurde. Die Erzählungen prägten das Selbstverständnis des Ordens bis in das 20. Jh. hinein.

Freitag, 20. November 2009

Ars Moriendi als Trost und Weisung

Über Helinand von Froidmont (um 1162—1237) ist seit 1913 nichts in deutscher Sprache erschienen. Amerikanische Trappisten haben sich um sein Erbe gekümmert und die wertvollen Vers de la mort ins Englische übersetzt. Diese Dichtung ist eine cisterciensische ars moriendi, sehr passend zur lectio divina im November. Aus dem Vanitas-Gedanken (alles Irdische ist Eitelkeit) entwickelt Helinand eine tröstliche, tiefe Einübung in die Befreiung von weltlichen Bindungen. Cistercienser-Dichtung wird von der gegenwärtigen Forschung kaum rezipiert. Hier kann man das preiswerte Taschenbuch Verses on Death bestellen.

Mittwoch, 11. November 2009

Cistercians Pray for their Deceased Abbots

In the month of November, Cistercians devote a day in the liturgical calender to praying for their deceased abbots and superiors. The Martyrium abbatis (martyrdom of serving as abbot) is well-known. We pray for those men who served us, tolerated us, helped make us holy.

 

Abbot Alois Wiesinger of Schlierbach, who served his abbey in Upper Austria 1917-1955, was revered as the renewer of Schlierbach Abbey and the German translator of Chautard's "Soul of the Apostolate".

 

Abbot General Matthew Quatember, still revered today as the man who built the Curia Generalis O.Cist. in Rome. He died 1953, soon after its completion and exhausted from his labors. He lay in state in the Lady Chapel he had built. The next day he was transported to Poblet for a funeral, for which Generalissimo Franco ordered full military honors.

 
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Alexis Presse, a profoundly ascetic monk and the charismatic abbot of Boquen, is seen here as his confreres pray the officium defunctorum for him. He will have been buried just hours later.

Freitag, 6. November 2009

Cisterciensernonnen inmitten von Wien

Unweit vom Stubentor, wer würde es heute denken, war ein wichtiges Frauenkloster unseres Ordens. "St. Maria bei St. Niklas vor dem Stubentor" ist das älteste Frauenkloster Wiens und zudem eine landesfürstliche Stiftung. Leopold VI., der auch Lilienfeld gestiftet hat, finanzierte das Cistercienserinnenkloster in der Stadt.
Barbara Schedls neues Buch, "Klosterleben und Stadtkultur im mittelalterlichen Wien" analysiert die Baugeschichte mehrerer Frauenkonvente in Wien: das Augustiner-Chorfrauenstift St. Jakob auf der Hülben, das Prämonstratenserinnenkloster St. Agnes in der Himmelpforte und das Dominikanerinnenkloster St. Laurenz am Fleischmarkt. Im Verlauf des 14. Jh.s wurden dann noch das Klarissenkloster St. Klara und das Büßerinnenhaus St. Hieronymus gegründet.
Damit existierten auf engstem Raum zwei vermeintlich gegensätzliche Lebensformen - weibliche Religiosität und Öffentlichkeit - nebeneinander. Doch scheinen Klosterleben und Stadtkultur kein unvereinbarer Gegensatz gewesen zu sein, wie die Rekonstruktion der Gründungsbauten und deren Ausstattung sowie das Alltagsleben der Klosterfrauen zeigen.

Montag, 2. November 2009

Neuer Betreuer des Stiftsarchivs in Zwettl

Seit September 2009 werden Bibliothek und Archiv des Cistercienserstiftes Zwettl von Martin Haltrich betreut. Der Historiker und Germanist hat bisher vor allem zu mittelalterlichen Handschriften aus den Klöstern Melk und Gaming gearbeitet und sich dabei auf Verwaltungsschriftgut spezialisiert. Derzeit arbeitet er an einem Wasserzeichenprojekt der Österreichischen Nationalbibliothek und einem Projekt zu den karolingischen Handschriften in Österreichischen Bibliotheken.
Die Schätze der Zwettler Bibliothek – nicht nur aus dem Mittelalter – stellen für ihn eine besondere Herausforderung dar: Es geht nicht nur um die sachgemäße Erhaltung und Erweiterung der Bestände, sondern vor allem um die schonende Vermittlung des gewaltigen kulturellen Erbes, welches das Waldviertel und seine Menschen geprägt hat.